September 1939
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
1. September 1939
(Freitag)
Politik
Am Vorabend und während der Nacht waren London und Paris bemüht, Italiens Konferenzvorschlag für den 5. September auszuloten. Die einen halten ihn für eine Falle der Diktatoren, die anderen für die letzte Hoffnung. Polen ist von der Maßlosigkeit der deutschen Forderungen eher zur Härte geneigt als zu Kompromissen. Die Ereignisse dieses Tages lassen eine Konferenz ohnehin unmöglich werden. Mit großer Aufmachung werden die Polen beschuldigt, den Sender Gleiwitz am Vorabend überfallen zu haben. Dies müsse als Signal eines allgemeinen Angriffs gewertet werden. In polnischen Uniformen hatten deutsche Kampfgruppen diese »Übergriffe« inszeniert. Das OKW meldet den »Gegenangriff« deutscher Truppen zu Lande, zur See und in der Luft. »Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen.« Die »Schleswig-Holstein« eröffnet das Feuer im Danziger Hafen auf die polnische Westerplatte.
Um 10.00 Uhr gibt Reichskanzler Hitler vor dem Reichstag eine Erklärung der Reichsregierung ab, die mit den Worten beginnt: »Seit Monaten leiden wir alle unter der Qual eines Problems, das uns einst das Versailler Diktat beschert hat und das nunmehr in seiner Ausartung und Entartung unerträglich geworden war. Danzig war und ist eine deutsche Stadt! Der Korridor war und ist deutsch! Alle diese Gebiete verdanken ihre kulturelle Erschließung ausschließlich dem deutschen Volk, ohne das in diesen östlichen Gebieten tiefste Barbarei herrschen würde!« In einer längeren Darstellung sucht er die Genese des Kriegsausbruchs darzustellen und die Schuld der polnischen Seite zuzusprechen. »Meine Friedensliebe und meine endlose Langmut soll man nicht mit Schwäche oder gar Feigheit verwechseln.« Nochmals versucht er, die Westmächte aus dem Konflikt herauszuhalten. Aber auch deren Erklärungen könnten ihn »nicht eine Sekunde in der Erfüllung meiner Pflicht wankend machen«. Nach einem sehr knappen Dank an Italien sichert er den neutralen Staaten nochmals die Respektierung ihrer Neutralität zu und würdigt dann ausführlich die politische Einsicht der Sowjetunion. Als seine Ziele gibt er an: »Ich bin entschlossen: 1. die Frage Danzig, 2. die Frage des Korridors zu lösen und 3. dafür zu sorgen, dass im Verhältnis Deutschlands zu Polen eine Wendung eintritt, die ein friedliches Zusammenleben sicherstellt!« Den Kriegsausbruch verkündet der Reichskanzler mit den Worten: »Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen!« Er wolle »jetzt nichts anderes sein als der erste Soldat des Deutschen Reiches!« Den Soldatenrock, »der mir selbst der heiligste und teuerste war«, wolle er erst wieder beim Siege ausziehen. Bei seinem Tod soll Göring und nach diesem Hess Nachfolger werden.
Hitler sowie die Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, der Kriegsmarine, Großadmiral Raeder, und der Luftwaffe, Generalfeldmarschall Göring, erlassen Tagesbefehle an die drei Teilstreitkräfte. Brauchitsch gibt als »klares Ziel« der Kampfhandlungen die »dauerhafte Sicherung des deutschen Volkstums und deutschen Lebensraumes gegen fremde Übergriffe und Machtansprüche« an. Raeder fordert den Eintritt »für Ehre, Recht und Freiheit unseres Vaterlandes«, Göring fordert die Soldaten der Luftwaffe auf, »alles zu geben für Volk und Vaterland«. Er sieht hinter ihnen »die ganze im Nationalsozialismus geeinte deutsche Nation« stehen.
Der erste Wehrmachtsbericht des 2. Weltkrieges wird von Hitler selbst redigiert: »Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Auf Befehl des Führers und Reichskanzlers hat die Wehrmacht den aktiven Schutz des Reiches übernommen. In Erfüllung ihres Auftrages, der polnischen Gewalt Einheit zu gebieten, sind Truppen des deutschen Heeres Freitag früh über alle deutsch-polnischen Grenzen zum Gegenangriff angetreten. Gleichzeitig sind Geschwader der Luftwaffe zum Niederkämpfen militärischer Ziele in Polen gestartet. Die Kriegsmarine hat den Schutz der Ostsee übernommen.«
In einem Telegramm an Mussolini betont Hitler, für Deutschland sei »die italienische Waffenhilfe nicht nötig«.
Das Abhören von politischen Nachrichten und Mitteilungen aus dem Ausland wird verboten und unter Strafe gestellt.
Hitler erlässt eine »Verordnung über die Erneuerung des Eisernen Kreuzes«. Nach Art. 1 werden verliehen: das Eiserne Kreuz II. Klasse, das Eiserne Kreuz I. Klasse, das Ritterkreuz und das Großkreuz des Eisernen Kreuzes. Außerdem stiftet Hitler das Verwundetenabzeichen, das in drei Stufen verliehen wird: in Schwarz für ein- und zweimalige Verwundung, in Silber für drei- und viermalige Verwundung und in Gold für mehr als viermalige Verwundung.
Der Danziger Gauleiter Albert Forster informiert gegen 7.30 Uhr den Völkerbundskommissar Carl Jakob Burckhardt von der »Wiedervereinigung« Danzigs mit dem Reich. Er erlässt das »Staatsgrundgesetz der Freien Stadt Danzig, die Wiedervereinigung Danzigs mit dem Deutschen Reich betreffend«; dessen Art. 3 bestimmt: »Die Freie Stadt Danzig bildet mit sofortiger Wirkung mit ihrem Gebiet und ihrem Volk einen Bestandteil des Deutschen Reiches.« Hitler telegrafiert daraufhin an Forster: »Großdeutschland begrüßt Sie aus übervollem Herzen!« Der Genfer Völkerbundkommissar Carl Jakob Burckhardt verlässt um 10 Uhr mit seiner Kommission Danzig.
London ordnet die Generalmobilmachung aller Streitkräfte an; dies geschieht ebenso in Paris.
Der italienische Ministerrat ist sich einig, keine militärischen Maßnahmen zu ergreifen. Auf Drängen Frankreichs versucht vielmehr Mussolini in der ausgebrochenen Krise vergeblich zu vermitteln. Auch der asiatische Bundesgenosse Japan erklärt am 5. September, er wünsche nicht, in den europäischen Konflikt verwickelt zu werden.
Litauen erklärt seine Neutralität. In den folgenden Tagen schließen sich Dänemark, Portugal (2. September), Finnland, Holland, Belgien, Brasilien (3. September), Spanien, Mexico (4. September), Norwegen, Schweden und Argentinien (5. September) an.
Reichsaußenminister von Ribbentrop empfängt um 21 Uhr den britischen Botschafter Henderson, der ihm die Aufforderung überreicht, die deutschen Truppen »unverzüglich aus polnischem Gebiet zurückzuziehen«. Um 22 Uhr empfängt Ribbentrop den französischen Botschafter Coulondre, der ihm eine gleichlautende Note überreicht.
Der »Führer der U-Boote«, Dönitz, weist in einer Denkschrift darauf hin, dass er für einen Krieg gegen England mindestens 300 U-Boote benötige, »75% des Types VII und 25% des größeren Typs IX«. Der Marine stehen 14 Küsten-, 1 Bordflieger- und 2 in Aufstellung begriffene Flugzeugträgerstaffeln zur Verfügung. Die Luftwaffe ist bereit, ihr zusätzlich 6 Kampfgruppen zur operativen Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Der deutschen U-Boot-Waffe stehen im Laufe des Zweiten Weltkrieges folgende Bootstypen zur Verfügung:
Die Luftwaffe umfaßt: 1180 Bomber in 30 Bombergruppen (18 mit He 111,11 mit Do 17, 1 mit Ju 86), 771 Jagdflugzeuge in 13 Jagdgruppen (12 mit Me 109,1 mit Ar 68), 336 Sturzkampfflugzeuge in 9 Stuka-Gruppen (Ju 87), 408 Zerstörer in 10 Zerstörergruppen (Me 109 u. 110), 40 Schlachtflugzeuge in 1 Gruppe (Hs 123), 552 Transportflugzeuge in 2 Gruppen (Ju 52), 379 Fernaufklärer in 23 Staffeln (Do 17), 342 Heeresaufklärer in 30 Staffeln (He 45, He 46, Hs 126), 240 Marineflugzeuge in 14 Küsten-, 2 Bord- und 2 Trägerstaffeln.
Für die Armierung des Westwalls werden acht Baubataillone mit je 1805 Mann aufgestellt.
Werner Sombart, an seinem Berliner Schreibtisch durch seinen Sohn Nicolaus von Hitlers Kriegseinfall in Polen unterrichtet, antwortet: »Das ist Deutschlands Ende.« Rudolf Olden schreibt an Carl Rössler: »Was soll man tun? Alles, alles ist so gekommen, wie ich es vorausgesehen habe, und ich teile die Gefühle der Kassandra vollkommen. Diese Welt gefällt mir nicht mehr, Gott weiß es.«
Ca. 300.000 politische Gefangene sind in Konzentrationslagern, Zuchthäusern, Gefängnissen oder in Untersuchungshaft; ca. 30.000 Deutsche sind in die Emigration gegangen.
Auf den heutigen Tag wird eine von Hitler erst Anfang Oktober unterschriebene Verfügung datiert, die Reichsleiter Bouhler und Begleitarzt Brandt »beauftragt«, bestimmte Ärzte zu befugen, »dass nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken bei kritischster Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann« (Euthanasie). Die »Aktion T« (Euthanasie) wird gegründet.
Ausgangsbeschränkungen für Juden treten in Kraft (im Sommer Sperre ab 21.00 Uhr, im Winter ab 20.00 Uhr).
Wirtschaft
Der Notenumlauf der Reichsbank hat sich seit dem 23. August von 8,71 auf 10,91 Mrd RM erhöht.
Die 'Bergwerkszeitung' meldet: »Befriedigendes Inlandgeschäft auf der Leipziger Herbstmesse.«
Lehrstellen, die zu Ostern 1940 besetzt werden sollen, müssen bereits bis zum 1. Oktober 1939 beim zuständigen Arbeitsamt beantragt werden.
Die Einrichtung von Ernährungsämtern und Wirtschaftsämtern bei den Oberbürgermeistern und Landräten soll zur raschen Regelung der Bezugsscheinpflicht beitragen.
Bad Wildungen wirbt im 'Reise- und Bäder-Anzeiger': »Fern dem Lärm der Welt ... wird noch die ganze bunte Fülle des gesellschaftlichen Programms geboten.«
Der gesamte Luftverkehr mit in- und ausländischen Luftfahrzeugen über deutschem Hoheitsgebiet wird verboten. Der Personenzugverkehr der Reichsbahn wird »je nach dem Stande der Transportlage« geregelt.
Im Reichsdurchschnitt kosten
1 kg Weizenbrot 31 Rpf 1 kg Weizenmehl 44 Rpf 1 kg Graupen 48 Rpf 1 kg Reis 44 Rpf 1 kg Erbsen 69 Rpf 5 kg Kartoffeln 49 Rpf 1 kg Zucker 77 Rpf 1 kg Rindfleisch 167 Rpf 1 kg Butter 316 Rpf
Kultur
Der Schauspieler und Schriftsteller Toni Impekoven begeht in Frankfurt/Main sein 25jähriges Bühnenjubiläum. Er schrieb 48 Bühnenstücke und Filme.
'Die fremde Frau' ein Film nach einen Abenteuer- und Frauenroman, wird in Wien uraufgeführt. Regie führt Roger von Norman. Eugen Klöpfer, Elisabeth Reich, Kurt Fischer-Fehling und Karl Dannemann spielen die Hauptrollen. Wolfgang Zeller schrieb die Musik.
nach oben
2. September 1939
(Samstag)
Politik
Das OKW meldet »auf allen Fronten weitere schnelle Fortschritte«. Die polnische Fliegertruppe sei in ihrem Bestand auf das schwerste getroffen; die deutsche Luftwaffe habe »die uneingeschränkte Luftherrschaft über dem gesamten polnischen Raum«.
Der italienische Botschafter Attolico übermittelt der Reichsregierung einen »Vermittlungsvorschlag« Mussolinis.
In Stutthof bei Danzig wird ein Konzentrationslager eingerichtet.
Wirtschaft
Reichswirtschaftsminister Funk leitet eine Sondersitzung des Reichsbankdirektoriums. Man stellt fest: »Deutschland ist wirtschaftlich und finanziell gerüstet.« Die Börsenkurse bleiben weiter fest.
Das Reichsverkehrsministerium koordiniert den Seetransport aller Güter von und nach Ostpreußen.
Der Fernsprechverkehr mit Großbritannien wird eingestellt.
Der Großindustrielle Fritz Thyssen flieht in die Schweiz.
Kultur
Die Operette 'Zwei Herzen und ein Wienerlied' von Victor Korzhe wird am Stadttheater Baden uraufgeführt.
nach oben
3. September 1939
(Sonntag)
Politik
Der Chefdolmetscher des Auswärtigen Amtes, Gesandter Schmidt, nimmt um 9.00 Uhr das Ultimatum der britischen Regierung entgegen. London sieht sich demnach, wenn »bis 11.00 Uhr vormittags« keine befriedigende deutsche Antwort vorliegt, als im Kriegszustand mit dem deutschen Reiche befindlich. Schmidt begibt sich anschließend in die Reichskanzlei und trägt den dort anwesenden Hitler und Ribbentrop das britische Ultimatum vor. Nach seinem Bericht hört Hitler »versteinert« den Vortrag an und fragt anschließend Ribbentrop »Was nun?« Der Außenminister entgegnet: »Ich nehme an, dass die Franzosen uns in der nächsten Stunde ein gleichlautendes Ultimatum überreichen werden.« Göring reagiert im Vorzimmer vor den anwesenden Kabinettsmitgliedern und prominenten Parteimitgliedern auf die Nachricht mit dem Bemerken: »Wenn wir diesen Krieg verlieren, dann gnade uns der Himmel!« Nach der Beobachtung Schmidts wirkt der anwesende Goebbels wie ein »begossener Pudel«.
Um 11.30 Uhr lehnt die deutsche Reichsregierung in einem Memorandum das britische Ultimatum ab. Um 12.30 Uhr überreicht der französische Gesandte Coulondre das französische Ultimatum, welches den Kriegszustand für 17.00 Uhr ankündigt.
Um 14.30 Uhr unterrichtet Hitler durch vier Proklamationen über den deutschen Rundfunk die Bevölkerung über den Kriegszustand des Reiches mit Großbritannien und Frankreich. Der Aufruf an die NSDAP endet mit dem Bemerken: »Wir haben nichts zu verlieren, wir haben alles zu gewinnen!«
In der Nacht zum 4. September werfen britische Flugzeuge über Nord- und Westdeutschland etwa 6 Mill Flugblätter ab.
Australien, Neuseeland und Indien erklären Deutschland noch am gleichen Tage den Krieg.
Die Republik Irland erklärt ihre Neutralität.
Der Chef der Sicherheitspolizei bestimmt die »Grundsätze der inneren Staatssicherung während des Krieges«; darin heißt es: »Jeder Versuch, die Geschlossenheit und den Kampfeswillen des deutschen Volkes zu zersetzen, ist rücksichtslos zu unterdrücken.«
In Stockholm finden Gespräche zwischen Botschafter von Hassel und dem schwedischen Außenminister statt. Schweden hält seine Beziehung mit Deutschland aufrecht.
Hitler erlässt die Weisung Nr. 2. Sie fordert »zunächst die schnelle siegreiche Beendigung der Operation gegen Polen; Angriffshandlungen der Kriegsmarine gegen England sind freigegeben, gegen Frankreich ist die Eröffnung der Feindseligkeiten dem Gegner zu überlassen.«
Admiral Raeder vermerkt in seinem Tagebuch: »Am heutigen Tage ist der Krieg gegen England-Frankreich ausgebrochen, mit dem wir nach den bisherigen Äußerungen des Führers nicht vor etwa 1944 zu rechnen brauchten ... Was die Kriegsmarine anbetrifft, so ist sie selbstverständlich im Herbst 1939 noch keineswegs für den großen Kampf mit England hinreichend gerüstet. Sie hat zwar ... eine gutausgebildete, zweckmäßig aufgebaute U-Bootwaffe geschaffen, von der zur Zeit ca. 26 Boote atlantikfähig sind, die aber trotzdem noch viel zu schwach ist, um ihrerseits kriegsentscheidend zu wirken«.
In Polen besetzen deutsche Truppen Tschenstochau.
In Bromberg werden ungefähr 7000 Volksdeutsche Opfer einer politischen Agitation (Bromberger Blutsonntag).
Die Seekriegsleitung eröffnet ab 11.00 Uhr den Unterseebootskrieg gegen Großbritannien. Am gleichen Tage versenkt »U 30« irrtümlicherweise den britischen Passagierdampfer »Athenia« und verursacht dadurch einen ersten schweren Zwischenfall.
In London wird ein neues Kriegskabinett ernannt. Premierminister bleibt Neville Chamberlain, Erster Lord der Admiralität wird Winston Churchill. Anthony Eden wird Kolonialminister, gehört dem engeren Kriegskabinett jedoch nicht an. General Gort wird Oberbefehlshaber der britischen Feldarmee. Das britische Wehrpflichtgesetz wird in Kraft gesetzt.
Am Nachmittag empfängt Reichskanzler Hitler den neuen sowjetischen Botschafter Alexander Schkwarzew zur Überreichung des Beglaubigungsschreibens. Der sowjetische Botschafter wird dabei begleitet von dem Militärbevollmächtigten Maxim Purkajew.
Um 21.00 Uhr verlässt Hitler mit seinem Sonderzug die Reichshauptstadt, um sich »an die Front zu seiner kämpfenden Ostarmee« zu begeben.
Die Slowakei tritt in den Krieg gegen Polen ein. Verteidigungsminister General Catlos erklärt in einem Tagesbefehl an die slowakische Armee, es sei »ein glückliches Los unserer jetzigen Generation«, an der Seite der deutschen Armee in Polen einmarschieren zu können, um »die abgetrennten Gebiete wieder mit unserem slowakischen Staate zu vereinigen«.
Im Westen stehen 33 Divisionen der Heeresgruppen G (Leeb) 110 alliierten Divisionen gegenüber.
In Berlin erscheinen Flugblätter des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschland. Unter der Überschrift »Ich rufe die Jugend der Welt« heißt es: »Berliner Jugend, wehre Dich und empöre Dich.«
Wirtschaft
Die Postsperre für die Truppe wird vom OKW aufgehoben.
Der Reichsführer der SS und Chef der deutschen Polizei weist darauf hin, dass trotz Verdunkelungssgebot ein Fahren ohne jede Beleuchtung verboten ist. Die Beleuchtung ist abzublenden, muß aber auf eine Entfernung von 100 m sichtbar sein.
Die Beilagen der Sonntagszeitungen geben Tips zu aktuellen Fragen: »Wie entsteht in einem Hause ein Luftschutzraum?« oder »Verdunkelung! Aber wie?«
Die Verordnung zur Sicherstellung der Elektrizitätsversorgung (Reichsstelle für die Elektrizitätswirtschaft: Reichslastverteiler) wird erlassen.
nach oben
4. September 1939
(Montag)
Politik
Das OKW meldet, dass »erstmalig Truppen aus dem Reich auf dem Landwege ostpreußischen Boden erreicht haben«. Die im nördlichen Korridor stehenden polnischen Truppen werden damit eingeschlossen.
Britische Bomber greifen erstmals deutsche Seestreitkräfte vor dem Jade-Busen und in der Elbe-Mündung an. Nur zwei deutsche Kriegsschiffe werden durch Blindgänger leicht beschädigt (u.a. »Tirpitz«), fünf von zwölf angreifenden Flugzeugen abgeschossen.
Die Britische Admiralität führt das Geleitzug-System ein.
Belgien, Norwegen, Finnland, Spanien, Japan, Argentinien und Brasilien erklären ihre Neutralität.
Der FdU Dönitz erklärt vor seinen Offizieren in Wilhelmshaven: »Nehmen Sie diesen Krieg sehr ernst! Seien Sie sich darüber klar, er wird sehr lange dauern, vielleicht sieben Jahre dauern, und wir werden froh sein, wenn er dann mit einem Vergleich endet.« Hitler befiehlt der U-Boot-Waffe: »Zunächst keinerlei Feindhandlungen gegen Passagierdampfer, auch wenn im Geleit.«
Wirtschaft
Eine Reichskriegswirtschaftsverordnung wird erlassen. Unter Punkt 2 heißt es: »Die Finanzierung der Reichsverteidigung erfordert die Einführung einer Reihe von Steuererhöhungen. a) Das Reich erhebt einen Zuschlag zur Einkommenssteuer in Höhe von 50%. Einkommenssteuerpflichtige, deren Einkommen 2400 RM im Jahr nicht übersteigt, sind von dem Zuschlag befreit. b) Kriegszuschläge für eine Reihe von Genussmitteln (Bier, Tabakwaren, Branntweinerzeugnisse, Schaumweine). c) schließlich ist ein außerordentlicher Beitrag der Länder, Gemeinden und sonstigen Körperschaften des öffentlichen Rechts an das Reich vorgesehen.«
Die Reichsarbeitsdienstpflicht für die weibliche Jugend (Verordnung über die Durchführung der Reichsarbeitsdienstpflicht für die weibliche Jugend) wird erweitert.
Rumänien verpflichtet sich, 400.000 t Weizen nach Deutschland zu liefern.
Die Danziger Staatsbahnen werden von der Deutschen Reichsbahn übernommen.
Kraftstoff darf nur noch verbraucht werden, wenn er für lebensnotwendige Frachten eingesetzt wird. Der Kraftdroschkenverkehr wird eingeschränkt.
nach oben
5. September 1939
(Dienstag)
Politik
Die Reichsregierung gibt ein amtliches Weißbuch über die letzten Entwicklungen der deutsch-polnischen Krise heraus.
Die amerikanische Regierung beschließt die Neutralität der Vereinigten Staaten. Das sogenannte Neutralitätsgesetz soll sofort in Kraft treten.
Hitler ordnet die Einsetzung von Reichsverteidigungskommissaren an, deren Bereich deckungsgleich ist mit dem der Wehrkreise. Reichsverteidigungskommissare sind in ihrem Wehrkreis 1 Oberpräsident und Gauleiter Koch, für den Wehrkreis 2 Oberpräsident und Gauleiter Schwede-Koburg usw. Insgesamt werden 18 Reichsverteidigungskommissare eingesetzt.
In Polen nehmen deutsche Truppen die Festungen Graudenz und Mlawa sowie die Städte Bromberg, Kattowitz und Königshütte. Die polnische Regierung verlässt Warschau, sie geht nach Lublin.
Chile und Jugoslawien erklären ihre Neutralität.
Ernst von Weizsäcker urteilt: »Nun sind wir im Kampf. Gebe Gott, dass nicht alles, was gut und wertvoll ist, dabei vollends zugrunde geht.«
Wirtschaft
Der Reichsbeauftragte für Chemie erlässt eine Beschlagnahmeanordnung. Der Einsatz der Waren erfolgt nach Maßgabe der Reichsstelle Chemie.
Das oberschlesische Industriegebiet ist von deutschen Truppen besetzt. Der größte Teil der Industrieanlagen blieb unbeschädigt.
nach oben
6. September 1939
Mittwoch)
Politik
In Polen werden Kielce und Krakau von den deutschen Truppen besetzt. In Krakau werden »am Grabe Pilsudskis militärische Ehren erwiesen«.
Die Südafrikanische Union erklärt Deutschland den Krieg.
Präsident Roosevelt verkündet auf Grund des Neutralitätsgesetzes eine Ausfuhrsperre für Waffen, Munition und sonstiges Kriegsgerät.
Erstmals wird ein U-Boot (U 38) von einem Dampfer mit Artillerie beschossen. Am 26. September gibt der Erste Lord der Admiralität, Churchill, bekannt, dass englische Handelsschiffe mit Waffen gegen U-Boote ausgerüstet werden.
Die U-Boote erhalten den Befehl: »Lage gegen Frankreich immer noch ungeklärt ... Als französisch ausgemachte Handelsschiffe nicht anhalten. Zwischenfälle mit Frankreich streng vermeiden.«
Wirtschaft
Der Arbeitsplatzwechsel wird für die Dauer des Krieges eingeschränkt. Kündigungen und Neueinstellungen bedürfen grundsätzlich der Genehmigung des Arbeitsamtes.
Kultur
Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Bernhard Rust, stellt in einem Erlaß fest, dass in dem am 11. September beginnenden Semester nur noch die Universitäten Berlin, Wien, München, Leipzig und Jena sowie die Technischen Hochschulen in Berlin und München, die Tierärztliche Hochschule in Hannover und die Wirtschaftshochschule in Berlin den Universitätslehrbetrieb aufnehmen dürfen. An allen anderen Hochschulen sollen nur die noch anstehenden Prüfungen beschleunigt durchgeführt werden.
Die deutsche evangelische Kirche setzt einen Vertrauensrat ein. Ihm gehören u.a. an: Landesbischof Marahrens, Hannover, Landesbischof Schultz, Schwerin, und Oberkonsistorialrat Hüymmen.
Das Lustspiel 'Trockenkursus' von Kurt Bortfeld wird am Deutschen Volkstheater Wien uraufgeführt.
nach oben
7. September 1939
(Donnerstag)
Politik
Wie das OKW meldet, hält der Rückzug des polnischen Heeres auf der ganzen Front an. Um 11.00 Uhr kapituliert die polnische Besatzung der Westerplatte vor Danzig.
Hitler führt in seinem Sonderzug eine Besprechung mit Großadmiral Raeder und eine andere mit Generaloberst von Brauchitsch über die Kriegführung im Westen. Raeder äußert vor Hitler: »Frankreich sieht kein Kriegsziel und ist bestrebt, sich aus einem Krieg herauszuhalten ... Nach dem bald zu erwartenden Zusammenbruch Polens ist möglicherweise Frankreich und dann vielleicht auch England zu einer gewissen Anerkennung der inzwischen im Osten geschaffenen Lage bereit.« Raeder empfiehlt daher, die defensive Haltung des Gegners mit eigener Zurückhaltung zu beantworten.
Ein U-Boot-Bauplan wird aufgestellt. Er weist für 1939 65, für 1940 99, für 1941 211 U-Boote als »werftmüßig möglich« aus.
Wirtschaft
Der Börsendienst der 'Bergwerkszeitung' meldet größere Kursrückgänge.
Die deutsche Kohlenausfuhr nach Dänemark wird fortgesetzt. Im Reich treten neue Verordnungen zur Lenkung des Kohlenverbrauchs in Kraft. Es werden 12 Kohlenverteilungsstellen eingerichtet (u.a. Berlin, Waldenburg, Zwickau, Hannover, Essen, München, Wien, Leipzig und Aussig).
Verordnung über die gesetzlichen Zahlungsmittel im besetzten ostoberschlesischen Gebiet (1 Zloty =50 Rpf).
Kultur
Rudolf Olden schreibt an Hermon Ould: »Wir hatten eine Mission und konnten sie nicht erfüllen! Ich denke, dass ich jetzt Ernst Tollers Standpunkt verstehe, als er den Strick nahm, um seine unglückliche Kassandra-Karriere zu beenden. Niemand hörte zu, niemand glaubte an uns. Die Jahre sind vergangen, aufgefressen von der Heuschrecke. Wie wird es Winston Churchill heute zumute sein!«
Hermann Kesten wird in das Sammellager für Fremde im Olympiastadion Yves-du-Manoir in ColombesSeine gebracht. Viele Hitler-Gegner werden gemeinsam mit Nationalsozialisten interniert.
nach oben
8. September 1939
Freitag)
Politik
Deutsche Panzertruppen erreichen um 17.15 Uhr die Außenbezirke von Warschau. In Südpolen wird Rzeszow erreicht und bei Sandomierz die Weichsel überschritten. Beginn der Kesselschlacht von Radom.
Wirtschaft
Unter deutscher Leitung wird die Kohlenförderung in Oberschlesien wieder aufgenommen. Die Preußag übernimmt die treuhänderische Verwaltung der ehemaligen preußischen Staatsgruben.
Die Verordnung über die verbindliche Einführung von Normen-, Geschäfts- und Lieferbedingungen sowie Güte- und Bezeichnungsvorschriften wird erlassen.
Kultur
Das Kriminallustspiel 'In letzter Minute' wird von der Tobis unter der Regie von Friedrich Kirchhoff in Berlin als Film uraufgeführt. Neben Walter Steinbeck, Elga Brink und Erich Ponto in den Hauptrollen sind Annemarie Holtz, Ilse Fürstenberg, Günther Lüders u.a. zu sehen. Die Musik schrieb Ernst Erich Buder.
Das Landestheater Saarpfalz in Kaiserslautern wird mit zwei Spielgruppen als »Armeetheater der Westfront« eingesetzt.
nach oben
9. September 1939
(Samstag)
Politik
Hitler erlässt die Weisung Nr. 3. Darin fordert er, die Operation gegen polnische Militärkräfte »mit so starken Kräften und so lange fortzuführen«, bis »den Polen der Aufbau einer zusammenhängenden, deutsche Kräfte fesselnden Front nicht mehr gelingen kann«. Die Eröffnung der Feindseligkeiten nach Westen behält er sich noch vor.
Deutsche Truppen besetzen Lodz und überschreiten nordostwärts von Warschau den Bug. An der Westfront beginnen französische Truppen mit begrenzten Operationen im Saarabschnitt.
Das britische War-Cabinet teilt mit, dass die Regierung bei ihren Mobilisierungsmaßnahmen mit einer Kriegsdauer von mindestens drei Jahren rechne.
Bertolt Brecht notiert in seinem Tagebuch: »Große Verwirrung richtet natürlich der deutsch-russische Pakt bei den Proletariern an. Jetzt wird womöglich Polen ohne großen Krieg unterworfen und Polen ist im Osten, nicht im Westen. Und die Union trägt vor dem Weltproletariat das fürchterliche Stigma einer Hilfeleistung an den Faschismus.«
Wirtschaft
In einer großangelegten und vom deutschen Rundfunk übertragenen Rede erklärt Göring in einem Berliner Rüstungswerk u.a.: »Deutschland ist der bestgerüstetste Staat der Welt, den es überhaupt gibt. Keine Macht der Welt verfügt über so umfangreiche Produktionsstätten und Rüstungsbetriebe.« Er schließt mit den Worten: »Wenn aber das letzte Opfer von uns verlangt wird, dann geben wir es mit den Worten: wir sterben, auf dass Deutschland lebe.«
Kultur
Der Ibach Verlag liefert den Roman 'Das verlorene Mädchen' von D.H. Lawrence aus.
Bei der Hanseatischen Verlagsanstalt erscheint der Roman 'Die Hochzeitskuh' von Joseph Magnus Wehner in einer neuen Ausgabe, die 'Münchener Neuesten Nachrichten' loben das Werk als »eine der schönsten Liebes- und Dorfgeschichten«.
nach oben
10. September 1939
(Sonntag)
Politik
Wie das OKW meldet, ist dem aus dem Raum von Kutno ausweichenden Feind »der Rückzug über die Weichsel bei Warschau und südlich verlegt«. Das Oberkommando der Kriegsmarine stellt in einer amtlichen Bekanntmachung fest, »dass die deutschen Seestreitkräfte den ausdrücklichen Befehl haben, sich bei der Führung des Seekrieges an die internationalen Vereinbarungen zu halten«.
Kanada erklärt Deutschland den Krieg.
Das sozialdemokratische Exilblatt 'Neuer Vorwärts' verurteilt den deutsch-sowjetischen Nichtangriffs-Pakt »mit aller Schärfe«, weil es darin einen Schlag »der Sowjetunion gegen den Frieden und die Freiheit in Europa« sieht. Die SPD distanziert sich von der KPD, die Stalins Aktion als »Großtat« begrüßt hat.
Himmler ordnet an, dass die jüdischen Gemeinden eigene Luftschutzräume zu errichten haben.
Wirtschaft
Die Reichswerke Hermann Göring planen die Errichtung von Hydrierwerken in Brüx/Sudetenland und Bleckhammer/Oberschlesien. Sie sollen die Produktion von Flugtreibstoff übernehmen.
Der allgemeine Paß- und Sichtvermerkszwang für Auslandsreisen wird eingeführt.
Kultur
Der Schauspieler Guido Thielscher wird 80 Jahre alt.
nach oben
11. September 1939
(Montag)
Politik
Das OKW meldet: »Die große Schlacht in Polen nähert sich ihrem Höhepunkt, der Vernichtung des polnischen Feldheeres westlich der Weichsel.« Nördlich der Weichsel gehen die deutschen Truppen auf Modlin vor. Die Provinz Posen ist größtenteils besetzt. Die polnische Regierung verlässt Lublin.
Wirtschaft
In Essen wird eine Leistungsschau der deutschen Technik eröffnet. Sie soll der Bevölkerung das Leistungsvermögen der deutschen Industrie vor Augen führen.
Kultur
Brockhaus kündigt die Kriegskarte 'Polen' an.
Im 'Börsenblatt' erscheint ein Aufruf an alle »Buchhändler! Auch von Euch fordert die Stunde eine neue Einstellung zu den Aufgaben, die wir im staatlichen und völkischen Leben zu erfüllen haben. Es war stets unter persönlicher Verantwortung des einzelnen unser Ziel, durch Verbreitung des geeigneten deutschen und fremdländischen Schrifttums den für unser Volk größtmöglichen Nutzen zu erreichen. Jetzt heißt es aber für jeden von uns, seine Maßnahme unter Zurücksetzung persönlicher Interessen allein auf das Eine auszurichten - die Erhaltung der Kampf- und Wehrkraft unseres Volkes. Ich erwarte vom deutschen Buchhandel eine Haltung, die auch den uns Übelwollenden Achtung abfordert. Im Vertrauen auf unseren Führer bilden wir auf unserem Arbeitsfeld eine verschworene Gemeinschaft, die nur einen Willen kennt - Sieg! Heil Hitler!«
Der de Gruyter-Verlag, Berlin, kündigt 'Die neuen Kriegsgesetze' an. Das am 29. August erschienene Zukunftsbuch 'Land aus Feuer und Wasser' von Hans Dominik geht im 60. Tsd. in Druck.
nach oben
12. September 1939
(Dienstag)
Politik
Das OKW meldet: »Die große Schlacht in Polen geht westlich der Weichsel ihrem Ende entgegen.« Die Kesselschlacht bei Radom wird beendet, 60.000 Gefangene werden eingebracht. Ausbruchsversuche der bei Kutno eingeschlossenen polnischen Truppen werden abgewiesen. Hitler unterzeichnet in seinem Hauptquartier bei Lodz ein »Gesetz über die Erweiterung der Prisenordnung«. Göring erstattet Hitler in dessen Hauptquartier einen zweistündigen Bericht über den Einsatz der Luftwaffe. In einer Unterredung zwischen Hitler, Ribbentrop, Keitel und Jodl werden Maßnahmen zur »Ausschaltung der slawischen Intelligenz« besprochen.
Wirtschaft
In der 'Deutschen Steuerzeitung' erklärt Staatssekretär Reinhardt, die erlassene Kriegswirtschaftsordnung erlaube den Finanzbedarf für die Kriegsführung vollständig aus dem Kriegszuschlag auf Einkommenssteuer, Bürgersteuer, Kirchensteuer oder Gewerbesteuer zu decken. Das Steueraufkommen des Reiches wird für das bis zum 31. März 1940 laufende Rechnungsjahr auf 24 Mrd RM geschätzt.
In Hamburg beschäftigen sich die Gerichte erstmals »wegen Hamsterns von bezugsscheinpflichtigen Waren«.
Rudolf Stahl, Generaldirektor der Salzdetfurth AG, ist zum stellvertretenden Leiter der Reichsgruppe Industrie ernannt worden.
Kultur
Das Lustspiel 'Die Morgengabe' von Giovaccino Forzano wird in der deutschen Bearbeitung von Heinz Becker-Trier im Berliner Theater in der Saarlandstraße uraufgeführt.
Unter dem Motto »In ernster Zeit - ein fröhlich Buch!« ediert der Bergland Verlag, Salzburg, Hellmuth Langes 'Auch wir waren so! Ein köstliches Buch für Erwachsene'. Ulsamers 'Hausapotheke alterserprobter Heil-, Gewürz- und Wildkräuter' überschreitet das 50. Tsd.
nach oben
13. September 1939
(Mittwoch)
Politik
Das OKW stellt fest: »Die südlich Radom eingeschlossene polnische Gruppe hat aufgehört zu existieren.« Der Ring um Warschau wird auch von Osten geschlossen. Hitler besucht auf einer Frontfahrt die Stadt Lodz.
Generalfeldmarschall Göring ernennt als »Vorsitzender des Ministerrates für die Reichsverteidigung« den Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei, Himmler, zum Stellvertreter des Generalbevollmächtigten für die Reichsverwaltung, Reichsinnenminister Frick. Außerdem empfängt Göring in Berlin den rumänischen Hofminister Gigurtu, der ihm die Neutralitätserklärung Rumäniens überreicht.
Wirtschaft
Der Automobilfabrikant Paul Daimler, Sohn Gottlieb Daimlers, wird 70 Jahre alt.
Der regelmäßige Schiffsverkehr Hamburg - Oslo wird wieder aufgenommen.
Kultur
Angesichts der Erfolge der deutschen Luftwaffe im Osten wird Heinz Bongartz' 'Luftmacht Deutschland' zu einem Verkaufsschlager der Essener Verlangsanstalt. Im Nibelungen Verlag, Berlin, erscheint Egon Peters Broschüre 'Raubstaat Polen'. Der Scientia Verlag, Zürich, wirbt verstärkt für seine Werke 'Krieg ohne Gnade' von Oberstdivisionär Eugen Birchner und 'Vom Geist deutscher Feldherrn' von Sigfrid Mette.
nach oben
14. September 1939
(Donnerstag)
Politik
Deutsche Truppen besetzen Gdingen. Im Südabschnitt wird die Straße Lublin - Lemberg erreicht.
Die in Berlin beglaubigten Militärattachés der neutralen Staaten werden vom Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, »in zwei Führungsgruppen für je drei Tage in das Operationsgebiet in Polen« eingeladen.
Der Marinegruppenbefehlshaber Ost, Generaladmiral Albrecht, fordert eine Verstärkung seiner Streitkräfte, um die gewonnene Seeherrschaft in der Ostsee aufrechterhalten zu können.
Die sowjetische Agentur TASS stellt amtlich fest, dass sich in den letzten Tagen »die Fälle von Verletzungen der sowjetrussischen Grenze durch polnische Militärflugzeuge« gehäuft hätten.
Wirtschaft
Die Reichsstelle für Edelmetalle erlässt neue Verordnungen für die Bewirtschaftung von Gold, Silber und Platin. Privatbesitz wird aber nicht berührt.
Kultur
Von der Bavaria-Filmkunst GmbH wird in München der Film 'Fasching' uraufgeführt. Regie führt Hans Schweikart. Die Hauptrolle spielen Karin Hardt, Hilde Körber, Lotte Lang, Gusti Wolf und Hans Nielsen. Für diesen als »künstlerisch und volkstümlich wertvoll« ausgezeichneten Film schrieb Lothar Brühne die Musik. Am gleichen Tag wird das bayerische Lustspiel 'Drei Väter um Anna' von der Ufa in Berlin unter der Regie von Carl Boese uraufgeführt. Hauptrollen spielen Ilse Werner, Hans Stüwe, Theodor Danegger und Beppo Brem. Die Musik schrieb Hans Ebert.
Der Schauspieler Mathieu Pfeil, Ehrenmitglied der Städtischen Bühnen Frankfurt/Main, stirbt in Zürich.
Das Bibliographische Institut, Leipzig, ediert die Schrift 'Schlag nach über Polen' für 50 Pf. Als Band 2 der Kampfschriftenreihe 'Weltjuda ohne Maske' erscheint 'Palästina - Judenstaat? England als Handlanger des Weltjudentums' von Heinrich Hest.
nach oben
15. September 1939
(Freitag)
Politik
In Südpolen nehmen die deutschen Truppen Przemysl und stehen vor den Toren von Lemberg. Die Kesselschlacht von Kutno dauert an. Um die Festung Brest- Litowsk wird gekämpft. Die polnische Regierung verlegt ihren Sitz an die Südgrenze des Landes. Hitler begibt sich zu den Truppen in Galizien und wohnt dem Übergang zweier Divisionen über den San bei. Die polnisch-rumänische Grenze wird von der rumänischen Regierung gesperrt.
Der britische Unterstaatssekretär im Foreign-Office, Sir Alexander Cadogan, notiert in seinem Tagebuch: »I suppose we must lose the war for four years until we win a decisive battle.«
Wirtschaft
Die galizischen Erdölfelder sind von deutschen Truppen besetzt. Ihre letztjährige Förderung betrug 510.000 t Erdöl. Die Vorräte werden auf 160 Mill t geschätzt.
Die Schifffahrt auf dem Oberrhein bis Mannheim ruht. Auch schweizerische Schiffe verkehren nicht.
Kultur
Das RMVP ruft die »Front-Soldaten-Bühne Sylt« ins Leben. Sie steht unter der Leitung von Ferdinand Mahir.
Der Film 'Die goldene Maske', ein Liebesroman, wird in Berlin uraufgeführt. Regie führt Hans H. Zerlett. Die Hauptrollen werden von Hilde Weissner, Albert Matterstock, Fita Benkhoff, Rudi Godden und Eduard von Winterstein gespielt. Die Musik schrieb Leo Leux. Am gleichen Tag erfolgt die Uraufführung des psychologischen Kriminalfilms 'Roman eines Arztes', nach Motiven des Romans 'Heimkehr ins Leben' von Curt Reinhard Dietz unter der Regie von Jürgen von Alten in Berlin. Neben Albrecht Schoenhals spielen Camilla Horn, Maria Andergast, Fritz Genschow, Theoder Loos und Albert Florath in den Hauptrollen. Herbert Windt schrieb die Musik.
Rowohlt gibt den Tatsachenroman 'Opiumkrieg' von Rudolf Brunngraber heraus. Als Volksausgabe erscheint das 75. Tsd. von Hugo Hertwigs 'Gesund durch Heilpflanzen'. Der Limbach Verlag, Berlin, liefert die Schrift 'Faschismus. Entwicklung und Lehre' von Carlo Costamagna aus.
nach oben
16. September 1939
(Samstag)
Politik
In Polen wird Bialystok genommen. Die von Ostpreußen und die von Oberschlesien und der Slowakei vorgehenden Truppen reichen sich bei Wlodawa die Hand und riegeln damit ganz Westpolen ab. In der Schlacht im großen Weichselbogen wird Kutno genommen. Die Zitadelle von Brest - Litowsk wird genommen. Über Warschau wird um 15.10 Uhr ein deutsches Flugblatt mit der Aufforderung zur Übergabe der eingeschlossenen Stadt abgeworfen. Sollte diese Aufforderung abgelehnt werden, habe die Zivilbevölkerung zwölf Stunden Zeit, »das Stadtgebiet auf den Straßen nach Siedlce und Garwolin zu verlassen«. Nach Ablauf dieser zwölf Stunden werde »das gesamte Stadtgebiet Warschau als Kampfgebiet mit allen sich darauf ergebenden Folgen behandelt«. Der Kommandant von Warschau lehnt die Übergabe der Stadt ab.
In Paris stirbt der Sozialdemokrat Otto Wels. Wels war im Mai 1933 zwei Monate nach seiner mutigen Rede gegen das Ermächtigungsgesetz im Reichstag nach Paris emigriert.
Das Gesetz zur Änderung des Strafverfahrens erlaubt der Justizverwaltung den »außerordentlichen Einspruch« gegen zu milde Urteile.
Wirtschaft
Die deutschen Gemeinden stellen dem Reich 12,5 Mrd RM als Kriegsbeitrag zur Verfügung.
In Oberschlesien werden die Hüttenwerke wieder in Betrieb genommen. Im besetzten polnischen Gebiet haben bereits über 30 Arbeitsämter ihre Tätigkeit zur Erfassung der Arbeitskräfte aufgenommen.
Kultur
Mit einer großangelegten Plakat- und Werbe-Aktion macht der Deutsche Verlag auf seine Luftschutz-Illustrierte 'Die Sirene' aufmerksam. Im Klotz-Verlag, Leipzig, erscheint der Zukunftsroman 'Patrouille gegen den Tod' von Rudolf Heinrich Daumann.
nach oben
17. September 1939
(Sonntag)
Politik
Die Schlacht um Kutno »nimmt ihren planmäßigen Verlauf«.
Die Sowjet-Union greift in den Krieg gegen Polen ein. In einer Note der Sowjet-Regierung an den polnischen Botschafter wird erklärt: »Der polnisch-deutsche Krieg hat die innere Unhaltbarkeit des polnischen Staates erwiesen.« Der polnische Staat und seine Regierung hätten tatsächlich aufgehört zu existieren. Dadurch hätten »die Verträge ihre Gültigkeit verloren, die zwischen der Sowjetunion und Polen bestanden«. Angesichts dieser Sachlage hätten die Sowjettruppen den Befehl erhalten, »die Grenze zu überschreiten und das Leben und das Eigentum der Bevölkerung der westlichen Ukraine und des westlichen Weißrussland unter ihren Schutz zu nehmen.« Um 6.00 Uhr morgens beginnen die sowjetischen Truppen an der gesamten Grenze ihren Vormarsch in Polen.
Der polnische Staatspräsident Moscicki und die gesamte polnische Regierung treten um 19.30 Uhr auf rumänisches Gebiet über und werden dort interniert.
Der sowjetische Botschafter in Berlin, Schkwarzew, teilt mit, dass die Sowjetregierung den Beschluss gefasst habe, die slowakische Regierung »de jure« und »de facto« anzuerkennen und diplomatische Beziehungen zu ihr aufzunehmen.
Im Seekrieg gegen Großbritannien versenkt »U 29« den britischen Flugzeugträger »Courageous«. Im Handelskrieg wurden bisher etwa 30 Dampfer mit 190.000 BRT versenkt. Die SKL bezeichnet den »Schlag gegen die feindlichen Seeverbindungen von Norwegen nach Nordengland als eine der Aufgaben der Überwasserstreitkräfte«.
Der japanische Generaloberst Graf Terauchi trifft zu einem Besuch in Berlin ein.
Der König von Afghanistan erklärt die Neutralität seines Landes.
Kultur
Der Schauspieler und Dramaturg Georg Droescher wird 85 Jahre alt.
nach oben
18. September 1939
Montag)
Politik
Das OKW meldet: »Der Feldzug in Polen geht seinem Ende entgegen.« Lemberg wird eingeschlossen, Lublin genommen. Die polnische Heeresgruppe bei Kutno »geht seit gestern der Auflösung entgegen«. In Ostpolen rücken die sowjetischen Truppen weiter vor und nehmen Luzk, Stanislau und Wilna. Deutsche und sowjetische Truppen treten bei Brest-Litowsk erstmalig miteinander in Fühlung. In einem gemeinsamen Kommuniqué erklären die deutsche und die sowjetische Regierung »zur Vermeidung von irgendwelchen unbegründeten Gerüchten«, dass »die Handlungen dieser Truppen keinerlei Ziele verfolgen, die den Interessen Deutschlands oder der Sowjet-Union zuwiderlaufen oder dem Geiste oder dem Buchstaben des zwischen Deutschland und der Sowjet-Union geschlossenen Nichtangriffsvertrages widersprechen«. Die deutschen und die sowjetischen Truppen hätten vielmehr die Aufgabe, »Ruhe und Ordnung in Polen herzustellen«.
Wirtschaft
Die sog. Genfer Grenze zwischen Ost- und Westoberschlesien wird aufgehoben und die alte Reichsgrenze von 1914 wird als Zollgrenze wiederhergestellt.
Der Reichswirtschaftsminister erlässt Richtlinien für die kriegswirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der staatlichen Wirtschaftsverwaltung und der Organisation der gewerblichen Wirtschaft.
Gauleiter Forster führt den ersten Spatenstich des Reichsautobahnbaus bei Danzig aus.
Kultur
Der Ahnenerbe-Stiftung-Verlag, Berlin, ediert die Schrift 'Deutschland und England' von Karl Alexander von Müller.
nach oben
19. September 1939
Dienstag)
Politik
Aus Polen wird das Ende der »Schlacht an der Bzura« gemeldet. Vor Warschau wird die Kampftätigkeit wieder aufgenommen: »Die Stadt wird von den Polen ohne Rücksicht auf die Bevölkerung, die über eine Million Menschen beträgt, verteidigt.« Im Südabschnitt wird das Ölgebiet von Drohobycz genommen. In Ostpolen rücken die sowjetischen Truppen weiter vor und nehmen Kobrin, Brody und Rogatin. Sowjetische Kavallerie dringt in die Vorstädte von Lemberg ein. Zahlreiche polnische Einheiten treten geschlossen auf litauisches Gebiet über. Hitler verlegt sein Hauptquartier ins Casino-Hotel nach Zoppot. Am Nachmittag hält er im Artushof in Danzig eine Rede, in der er das Ende des »Feldzugs der 18 Tage« verkündet. Er erklärt: »Ich habe mir einst vorgenommen, nicht früher nach Danzig zu kommen, ehe denn diese Stadt wieder zum Deutschen Reich gehört. Ich wollte als ihr Befreier hier einziehen. Am heutigen Tage ist mir dieses stolze Glück zuteil geworden.« Er glaubt, versichern zu können: »Polen wird in der Gestalt des Versailler Vertrages niemals mehr auferstehen.«
Großadmiral Raeder begrüßt in Kiel die Besatzungen heimgekehrter Unterseeboote und betont: »Sicherung der Ostsee-Eingänge gegen ein Eindringen englischer U-Boote« müssen als »Hauptaufgabe der gegenwärtigen Ostseekriegsführung« angesehen werden.
Kultur
Der Kammerschauspieler Bruno Böning, Mitglied des Ensembles des Deutschen Nationaltheaters Weimar, feiert seinen 50. Geburtstag.
nach oben
20. September 1939
(Mittwoch)
Politik
Nach Beendigung der »Schlacht an der Bzura« wird in Polen Widerstand nur noch in Warschau, Modlin und auf der Halbinsel Hela geleistet. Sowjetische Truppen besetzen Grodno, Kowel und Lemberg und melden die Gefangennahme von über 60.000 Polen. Mit der Einnahme von Kuty ist die ganze polnisch-rumänische Grenze in sowjetischer Hand.
Zwischen der deutschen und der sowjetischen Regierung wird die »Demarkationslinie« in Polen festgelegt. Sie verläuft entlang der Flüsse Pissa, Narew, Weichsel und San.
Hitler empfängt um 18.30 Uhr im Casino-Hotel in Zoppot eine japanische Offiziersabordnung unter Führung von Generaloberst Graf Terauchi und Admiral Osumi. Dabei erklärt er, Deutschland und Japan seien die beiden einzigen Großmächte, zwischen denen keine Interessengegensätze bestünden.
Chamberlain erklärt vor dem Parlament: »Our general purpose in this struggle is well known. It is to redeem Europe from the perpetual and recurring fear of German aggression and enable the peoples of Europe to preserve their independence and their liberties.«
In der Lagebesprechung der SKL erteilt Admiral Raeder die »Anordnung zu Überlegungen und zur gedanklichen Vorbereitung des uneingeschränkten U- Boot-Krieges«.
Heydrich ordnet die Exekution aller Personen an, deren Handlungen wegen ihrer Verwerflichkeit, Gefährlichkeit oder propagandistischer Auswirkung besonders schwerwiegend seien. Die Exekutionen sind im nächstgelegenen Konzentrationslager durchzuführen. Am Abend erfolgt die erste Exekution des Krieges im KZ Sachsenhausen. Ein kommunistischer Arbeiter der Junkers-Werke in Dessau, der die Mitwirkung an Luftschutzarbeiten verweigert hatte, wird erschossen.
Wirtschaft
Die Reichsverkehrsgruppe Spedition und Lagerei wird neu organisiert, um einen verbesserten Arbeitseinsatz zu ermöglichen.
Verordnung zur Sicherstellung der Gasversorgung.
Kultur
Die Ausstattungs-Operette 'Die oder keine' von Heinz Hentschle und Ludwig Schmidseder wird am Berliner Metropol-Theater uraufgeführt.
Der Roman 'Kampf und Reife' von Jakob Schaffner erscheint in der Deutschen Verlagsanstalt Stuttgart.
nach oben
21. September 1939
(Donnerstag)
Politik
Als Ergebnis der Schlacht im Weichsel-Bogen meldet das OKW 170.000 Gefangene. Reste der polnischen Südarmee kapitulieren bei Zomosz und Tomaszow. Sowjetische Truppen besetzen Pinsk und »säubern« Lemberg und Sarny von polnischen Offiziersgruppen.
178 Angehörige des Diplomatischen Corps und 1200 Ausländer verlassen Warschau auf einem von den deutschen Militärbehörden festgesetzten Weg.
Die Kriegsmarine plant »mit allen Mitteln die laufende Störung des Handelsverkehrs im Kattegat und Skagerrak« zu erreichen.
Vor ausländischen Pressevertretern erklärt Goebbels, es sei nicht die Absicht des deutschen Reiches, die Neutralität der Niederlande oder die Neutralität Belgiens irgendwie zu brechen.
Heydrich erlässt Richtlinien für die Einsatzgruppen in Polen. Die Ghettoisierung der Juden wird eingeleitet. Jüdische Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern müssen aufgelöst werden. Die Deportationen in größere Städte und das sog. »Schutzgebiet Lublinland« beginnen.
Wirtschaft
Die Lufthansa nimmt den planmäßigen Flugverkehr nach Ostpreußen wieder auf.
Kultur
Die Leipziger 'Illustrierte Zeitung' erscheint nunmehr vierzehntägig. Unter dem Titel 'Dies war das Maß' ediert der Verlag Rütten & Loening, Potsdam, die gesammelten Kriegsdichtungen und Tagebücher von Rudolf G. Binding. A.J. Cronins Roman 'Die Zitadelle' erreicht das 110. Tsd. Der Grote Verlag ediert die beiden Romane 'Der Maler in Flammen' von Eduard Koelwel und 'Don Quichote reitet nach Deutschland' von Rudolf Wulfertange.
nach oben
22. September 1939
Freitag)
Politik
Die deutschen Truppen in Polen beginnen ihren Rückzug auf die mit der Sowjetunion vereinbarte Demarkationslinie. Sowjetische Truppen übernehmen Bialystok und Brest-Litowsk von den deutschen Truppen. Die »Rote Armee« meldet bisher 120.000 polnische Gefangene.
In den Kämpfen vor Warschau fällt Generaloberst Freiherr von Fritsch. Fritsch war früher Oberbefehlshaber des Heeres. Hitler gedenkt des gefallenen Soldaten in einem Tagesbefehl und ordnet ein Staatsbegräbnis an.
Wirtschaft
Die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten (Oeffa) übernimmt auf Kriegsdauer die finanzielle Unterstützung für illiquide werdende Unternehmen.
Kultur
Reichsminister Rust gibt in einem Erlaß bekannt, dass die Hochschulen für Bildende Künste in Berlin-Schöneberg, München, Berlin und die Hochschulen für Musik in Berlin-Charlottenburg, Leipzig, München und Wien ihren Betrieb fortsetzen. Er erklärt: »Alle übrigen Kunsthochschulen bleiben geschlossen.«
Im Bremer Schauspielhaus wird das antibritische Tendenzstück 'Brommy' von H. Zerkaulen uraufgeführt; es will zeigen, »warum wir gegen Engelland fahren müssen«. Das Stück wird anschließend häufig in Fronttheatern gespielt.
Das Verwechslungslustspiel 'Wenn Männer verreisen' wird von der Tobis in Hamm als Film uraufgeführt. Regie führt Georg Zoch. Else Elster, Georg Alexander, Ernst Waldow, Lotte Werkmeister und Heinz Schorlemmer spielen die Hauptrollen. Die Musik schrieb Willi Richartz.
In neuer Auflage erscheinen im Julius Springer Verlag, Berlin, die Leitfäden zur Wehrmedizin: 'Lehrbuch der Kriegschirurgie' und 'Lehrbuch der Militärhygiene'. Der Verlag verweist gleichzeitig auf seine Zeitschrift 'Der deutsche Militärarzt'.
nach oben
23. September 1939
(Samstag)
Politik
Das Oberkommando der Wehrmacht veröffentlicht einen »Zusammenfassenden Bericht über den Verlauf des Feldzugs in Polen«, der mit den Worten beginnt: »Der Feldzug in Polen ist beendet.« Nach einer Schilderung der Operationen schließt der Bericht: »Das deutsche Volk kann wieder mit Stolz auf seine Wehrmacht blicken. Sie aber sieht mit sieghaftem Vertrauen ihren weiteren Aufgaben entgegen.«
Die Rote Armee meldet die »Liquidierung einer Gruppe des polnischen Heeres nordöstlich Kowel«.
Hitler gibt der Kriegsmarine freie Hand zum Angriff auch auf französische Schiffe, sowie die Erlaubnis, abgeblendete Fahrzeuge warnungslos zu versenken.
Die Reichsregierung erteilt umfangreiche Aufträge für den Bau von U-Booten: die Bremer Vulkanwerft erhält einen Auftrag über 5 U-Boote, die Kieler Howaldts-Werft, die Flensburger Schiffsbaugesellschaft, die Nordseewerke Emden und die Danziger Schichau- Werft je über 4. Der Auftrag wird am 16. Oktober je um 4 weitere erhöht; es handelt sich jeweils um U- Boote des Typs VII C.
Wirtschaft
Das Amt für Technische Wissenschaften der DAF ruft die Arbeiter zur verstärkten Entwicklung von Verbesserungen am Arbeitsplatz auf. Es gilt das Motto »Erfinderisch im Notwendigen«.
Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamtes ist der deutsche Getreidebedarf gedeckt. Die deutsche Getreideernte beziffert man auf 27,43 Mill t (ohne Mais).
Eine Schlagwetterexplosion auf der Zeche Hannover in Bochum-Hordel fordert 17 Tote und 14 Schwerverletzte.
Kultur
Die Gestapo beschlagnahmt die Rundfunkgeräte der Juden.
Der Literaturhistoriker Waldemar Oehlke veröffentlicht seinen 'Grundriß der Weltliteratur' in der Deutschen Bibliotheks-Verlagsanstalt, Berlin.
nach oben
24. September 1939
(Sonntag)
Politik
Die deutschen und sowjetischen Truppen setzen in Polen ihre Bewegungen auf die Demarkationslinie fort.
Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, von Weizsäcker, und der sowjetische Botschafter in Berlin, Schkwarzew, nehmen im Auswärtigen Amt den Austausch der Ratifikationsurkunden zum deutsch-russischen Nichtangriffspakt vom 23. August 1939 vor.
nach oben
25. September 1939
(Montag)
Politik
Hitler erlässt die Weisung Nr. 4. Darin bezeichnet er »die endgültige politische Gestaltung des ehemaligen polnischen Gebietes zwischen der Demarkationslinie und der Reichsgrenze« als noch nicht feststehend. Eine »Entscheidung über die strategische Weiterführung des Krieges wird in kürzester Zeit fallen«.
Nach Ablehnung der Übergabe von Warschau durch den polnischen Kommandanten beginnt die Wehrmacht mit dem Angriff auf die Stadt. Die Rote Armee rückt in Polen weiter vor und übernimmt von den deutschen Truppen die Stadt Suwalki. Hitler dankt dem slowakischen Staatspräsidenten Tiso in einem Telegramm für die »bewiesene Waffenbrüderschaft«.
Die Reichsregierung erteilt erneut Aufträge für den Bau von U-Booten: die Deutsche Werft AG in Hamburg-Finkenwerder erhält einen Auftrag zum Bau von 6 U-Booten des Typs IX C, die Hamburger Werft Blohm & Voss erhält den ersten Auftrag zum Bau von 8 U-Booten des Typs VII C. Am 16. Oktober erfolgt der Auftrag für weitere 4 und am 24. Oktober der Auftrag für 12 weitere U-Boote dieses Typs. Die Deutsche Schiff- und Maschinenbau AG (Dechimag), Deutschlands größter Schiffbaukonzern (gegründet 1926) mit Sitz in Bremen, erhält den Auftrag zum Bau von 6 U-Booten des Typs IX C; am 7. August waren erst 10 Boote dieses Typs in Auftrag gegeben, am 23. September wurden noch einmal 8 in Auftrag gegeben.
Wirtschaft
Für den Zeitraum bis zum 22. Oktober 1939 erhält der deutsche »Normalverbraucher« je Woche:
Brot 2400 g Margarine125 g Marmelade100 g Fleisch500 g Schmalz/Speck65 g Zucker250 g Butter80 g Käse62,5 g Nährmittel 100 g
Kultur
Die Operette 'Insel der Träume' von Joachim von Ostau und Hans-Martin Majewski wird am Staatstheater Oldenburg uraufgeführt. Das Schauspiel 'Rheinsberg' von Friedrich Forster wird gleichzeitig am Deutschen Nationaltheater Weimar, Stadttheater Bielefeld, Schauspielhaus Breslau, Staatstheater Kassel und an den Münchener Kammerspielen uraufgeführt.
Emil Jannings spielt die Hauptrolle in dem biographischen Film 'Robert Koch, der Bekämpfer des Todes', der von der Tobis unter der Regie von Hans Steinhoff in Berlin uraufgeführt wird. Es spielen Werner Krauss, Viktoria von Ballasko, Raimund Schelcher, Hilde Körber, Theodor Loos, Otto Graf, Elisabeth Flickenschildt, Paul Dahlke u.a. Der Film wird als »staatspolitisch und künstlerisch besonders wertvoll, kulturell wertvoll und volkstümlich wertvoll sowie jugendwert« ausgezeichnet. Bei der internationalen Filmkunst-Ausstellung (Biennale) 1939 in Venedig erhält er den 1. Preis, den Pokal der Kunstbiennale in Venedig. Die Musik schrieb Wolfgang Zeller.
Der deutsche Buchhandel gedenkt des 25. Todestages von Hermann Löns. Der Zeitgeschichte Verlag kündigt das 1.-100. Tsd. von Heinrich Hoffmanns Bildband 'Hitler in Polen' an. Der Verlag für Militärgeschichte und Deutsches Schriftentum, FürstenwaldeSpree, beginnt seine Schriftenreihe 'Der Krieg 1939' mit Heft 1, 'Unsere Flieger in Polen'; die Reihe wird vierzehntägig fortgesetzt. Jedes Heft kostet 25 Rpf. Isolde Kurz' Roman 'Vanadis' erreicht das 100. Tsd. Für 90 Pf erscheint im Bibliographischen Institut, Leipzig, das neue Kartenwerk 'Großdeutschland' mit der Demarkationslinie vom 22. September 1939. Das deutsche Kulturleben in Teschen/Oberschlesien wird mit einem Gastspiel des Theaters Mährisch- Ostrau eröffnet.
nach oben
26. September 1939
(Dienstag)
Politik
Fortsetzung des deutschen Angriffs gegen Warschau, wobei die deutschen Truppen in die äußeren Frontlinien eindringen. Mit 450 Flugzeugen greift die Luftwaffe die polnische Festung Modlin an.
In der Nordsee erster deutscher Luftangriff auf Einheiten der britischen Flotte, wobei von deutscher Seite irrigerweise die Versenkung des britischen Flugzeugträgers »Arc Royal« gemeldet wird.
Das Führerhauptquartier unter dem militärischen Kommando von Generalmajor Erwin Rommel wird nach Berlin zurückverlegt.
Die bisher noch bestehenden Polizeigrenzen zwischen West- und Ostoberschlesien werden aufgehoben.
Die slowakische Regierung ordnet die Demobilisierung ihrer Truppen an.
Generaloberst von Brauchitsch hält die Trauerrede beim Staatsakt für den vor Warschau gefallenen Generaloberst Frhr. von Fritsch.
Die SKL gibt die Panzerschiffe »Spee« und »Deutschland« zum Einsatz frei.
Frhr. du Prel übernimmt die Leitung des Propagandaressorts im Generalgouvernement.
nach oben
27. September 1939
(Mittwoch)
Politik
Warschau bietet die bedingungslose Übergabe an. Sowjetische Truppen erreichen in Polen die ungarische Grenze.
Hitler ordnet die Einrichtung einer Militärverwaltung »in den besetzten ehemals polnischen Gebieten« an. An die Spitze dieser Militärverwaltung wird als »Oberbefehlshaber Ost« Generaloberst von Rundstedt berufen. Oberster Verwaltungschef beim »Oberbefehlshaber Ost« für die gesamte Zivilverwaltung wird Reichsminister Frank.
Reichsaußenminister von Ribbentrop begibt sich nach Moskau, »um dort mit der Sowjet-Regierung die sich aus der Beendigung des Feldzuges in Polen ergebenden politischen Fragen zu erörtern«. Schon am Abend hat er eine erste Unterredung mit Stalin und Außenkommissar Molotow.
Das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) wird gegründet.
Kultur
'12 Minuten nach 12', ein Kriminalfilm, wird von der Ufa in Dresden uraufgeführt. Unter der Regie von Johannes Guter spielen Geraldine Katt, Ursula Herking, Carl Raddatz, René Deltgen und Rudolf Platte die Hauptrollen. Die Musik schrieb Rudolf Perak.
Das Drama 'Der Komet' von Rudolf Kremser wird am Deutschen Volkstheater Wien uraufgeführt.
nach oben
28. September 1939
(Donnerstag)
Politik
»Im Osten hat die Masse unserer Truppen die Demarkationslinie planmäßig überschritten« (OKW). Die Festung Modlin bietet die Übergabe an. Przemysl- Süd wird von der deutschen Wehrmacht an die sowjetischen Truppen übergeben.
Hitler besucht in Begleitung von Großadmiral Raeder in Wilhelmshaven die Besatzungen heimgekehrter Unterseeboote. Dönitz fordert dabei 300 U-Boote als Mindestzahl.
In Moskau werden die Besprechungen zwischen Reichsaußenminister von Ribbentrop, Stalin und Außenkommissar Molotow abgeschlossen. Sie führen zum Abschluß eines »Deutsch-russischen Grenz- und Freundschaftsvertrages«, mit dem die »Deutschrussische Interessengrenze« in Polen von der Weichsel an der San verlegt und der Suwalki-Zipfel Deutschland zugesprochen wird. Nach Artikel II dieses Vertrages wird die »festgelegte Grenze der beiderseitigen Reichsinteressen als endgültig« anerkannt und »jegliche Einmischung dritter Mächte in diese Regelung« abgelehnt. In einer besonderen Erklärung geben die deutsche und die sowjetische Regierung »übereinstimmend der Auffassung Ausdruck, dass es den wahren Interessen aller Völker entsprechen würde, dem gegenwärtig zwischen Deutschland einerseits und England und Frankreich andererseits bestehenden Kriegszustand ein Ende zu bereiten«. Dazu wird noch festgestellt: »Sollten jedoch die Bemühungen der beiden Regierungen erfolglos bleiben, so würde damit die Tatsache festgestellt sein, dass England und Frankreich für die Fortsetzung des Krieges verantwortlich sind.«
Die Sowjetunion schließt einen Beistandsvertrag mit Estland ab, durch den ihr die Einrichtung militärischer Stützpunkte auf estnischem Boden gewährt wird.
Staatssekretär von Weizsäcker hält eine »Belagerung Englands« nur dann für gerechtfertigt, »wenn Erfolg Niederringung Englands sicher - und zwar auch dann, wenn Amerika auf Englands Seite tritt«.
Auf Grund der Sonderverfahren der SS ersucht Justizminister Gürtner um Klärung der Frage, »ob Verbrechen im nicht besetzten Gebiet (Reichsgebiet) nach den Kriegsgesetzen oder von der Polizei ohne Verfahren und Urteil zu ahnden sind«. In der Folgezeit beschränkt sich das Reichsjustizministerium auf die Registrierung der verfahrenslosen Exekutionen, da diese von Hitler befürwortet werden.
Wirtschaft
Die Vermögensabgabe der Juden wird auch in den sudetendeutschen Gebieten erhoben.
Kultur
Der Maler Arthur Kampf erhält zu seinem 75. Geburtstag den Adler-Schild.
nach oben
29. September 1939
(Freitag)
Politik
Beginn des Ausmarsches der entwaffneten Besatzung von Warschau aus der Stadt.
Vor seinem Abflug aus Moskau betont Ribbentrop vor der Presse: »Die deutsch-sowjetische Freundschaft ist nunmehr endgültig etabliert.«
In Posen tritt Reichsminister Frank sein Amt als oberster Verwaltungschef für die ehemals polnischen Gebiete an.
Wirtschaft
Die Reichsmark wird neben dem Zloty gesetzliches Zahlungsmittel in dem von den deutschen Truppen besetzten Gebieten Polens (1 Zloty = 50 Rpf); Errichtung von Reichskreditkassen (Reichskreditkassenscheine).
Die IG-Farben erhöht ihr Grundkapital auf 731 Mill RM.
Jüdische »Mischlinge« werden künftig zum Wehr- und Arbeitsdienst herangezogen, dürfen aber nicht Vorgesetzte werden.
Kultur
Der Opernsänger August Maria Markowsky stirbt in Wien im Alter von 59 Jahren.
nach oben
30. September 1939
(Samstag)
Politik
Hitler erlässt die Weisung Nr. 5. Sie enthält die Richtlinien über »die politische Gestaltung des ehemaligen polnischen Gebietes innerhalb des deutschen Interessenbereiches«. Die politische Begrenzung des Deutschen Reiches wird im Osten durch den früheren deutschen Siedlungsraum und jene Gebiete bestimmt, »die militärisch, wehrwirtschaftlich oder verkehrstechnisch besonders wertvoll sind«. Hitler befiehlt die Einrichtung eines Militärverwaltungsgebietes unter dem Oberbefehl des Heeres. Er empfängt in der Reichskanzlei die Oberbefehlshaber der Wehrmacht und der in Polen eingesetzten Verbände und überreicht ihnen das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz. Es sind dies: Göring, Raeder, von Brauchitsch, von Rundstedt, von Kluge, List, Milch, Albrecht, Blaskowitz, von Reichenau, von Küchler, Kesselring, Löhr und Schniewind.
Der italienische Außenminister Graf Ciano trifft am Nachmittag zu einem Besuch in Berlin ein und hat noch am Abend eine erste Unterredung mit Reichsaußenminister von Ribbentrop. In Frankreich wird eine
[Tageschronik: 1. September-30. September 1939. Das Dritte Reich, S. 3747-3824 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 9 ff.) (c) Droste/Directmedia]
www.zweiter-wk.de