Zeit des Nationalsozialismus | Zusammenfassung
Die Zeit des Nationalsozialismus wird oft einer Epoche des Faschismus zugeordnet. Dieser entstand in Italien und herrschte dort von 1922 bis 1943. Beide hatten wesentliche Merkmale gemeinsam: die Diktatur einer einzigen, zentralistisch aufgebauten Partei, einen Führerkult, Militarismus, aggressiven Nationalismus, antidemokratische, antikommunistische und totalitäre Ziele sowie eine in Konkurrenz zum Sozialismus beanspruchte „Einheit von Volk und Staat“. Der Nationalsozialismus unterschied sich aber vom italienischen Faschismus durch seinen radikalen Rassismus und Antisemitismus, die seine weiträumigen Eroberungs- und Vernichtungsziele begründeten.
Das NS-Regime begann, als der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg den NSDAP-Führer Adolf Hitler zum deutschen Reichskanzler ernannte und dieser das Kabinett Hitler aus Nationalsozialisten, Deutschnationalen und Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten zur neuen Regierung berief. Es wurde bis 1934 durch Terrormaßnahmen gegen politische Gegner, gesetzliche Aufhebung großer Teile der Weimarer Reichsverfassung, Verbot aller anderen Parteien und Gleichschaltung fast aller politisch-gesellschaftlichen Kräfte durchgesetzt und gefestigt.
Von Anfang an verfolgte das NS-Regime eine Innen- und Außenpolitik, die Deutschlands Niederlage im Ersten Weltkrieg vergessen machen und seine damals verlorene Großmachtstellung erneuern und erweitern sollte. Dazu wurden von deutscher Seite bis 1936 mit dem Austritt aus dem Völkerbund, der Aufrüstung sowie der Besetzung des entmilitarisierten Rheinlands wichtige Teile des Versailler Vertrags außer Kraft gesetzt. 1938 folgte der Anschluss Österreichs an das nunmehr „Großdeutsche Reich“. Im selben Jahr erlaubte das Münchner Abkommen Deutschland die Eingliederung des Sudetenlandes.
Dieser Politik stimmten die meisten Deutschen zu. Volksabstimmungen ergaben 1935, 1936 und 1938 große Mehrheiten für damalige Entscheidungen Hitlers. Dies hatte vier Hauptgründe:
- Gleichschaltung und Terror gegen alle Andersdenkenden schüchterten die Bevölkerung ein.
- Ein beginnender Aufschwung der Weltkonjunktur, staatliche Investitionsprogramme, vor allem für Aufrüstung und militärisch nutzbare Infrastrukturen, belebten die Wirtschaft und bewirkten in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre Vollbeschäftigung, wobei die Löhne auf dem niedrigen Niveau der Weltwirtschaftskrise verharrten.
- Die Ideologie der Volksgemeinschaft vermittelte vielen Deutschen das Gefühl, in einer zunehmend egalitären Gesellschaft ohne Klassengegensätze zu leben.
- Sie erlebten die außenpolitischen Maßnahmen der Nationalsozialisten als Erfolge und Wiedergutmachung vergangener nationaler Demütigungen.
Mit dem Angriff auf Polen am 1. September 1939 begann das NS-Regime seine jahrelang vorbereitete Eroberungs- und Germanisierungs-Politik gewaltsam durchzusetzen. Damit löste es den Zweiten Weltkrieg aus, in dessen Verlauf die nationalsozialistische Gewalt zu millionenfachem Völkermord anwuchs. Am 27. September 1940 schlossen NS-Deutschland, das faschistisch regierte Italien und das Kaiserreich Japan – die so genannten Achsenmächte – den Dreimächtepakt als politische und militärische Koalition. Nach raschen Siegen über die Niederlande, Belgien, Frankreich und Norwegen 1940 brach das NS-Regime den Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt von 1939 und griff am 22. Juni 1941 die Sowjetunion an („Unternehmen Barbarossa“). Am 11. Dezember 1941 erklärte das Deutsche Reich auch den USA den Krieg.
Die Kriegswende begann im Herbst und Winter 1942/1943 mit den deutschen Niederlagen in den Schlachten von El Alamein, im Atlantik und Stalingrad. Die britischen und US-amerikanischen Luftstreitkräfte erreichten fast völlige Lufthoheit über Deutschland und bombardierten zunehmend ganze Stadtzentren im Bombenkrieg. Im Sommer 1944 landeten alliierte Truppen in der Normandie (Operation Overlord) und eröffneten damit die zweite Front im Westen mit dem Ziel, die deutschen Truppen auf deutsches Gebiet zurückzudrängen und das NS-Regime schließlich zu stürzen.
Im Oktober 1944 erreichten alliierte und sowjetische Truppen etwa gleichzeitig die Grenzen des „Altreichs“. Nach Hitlers Selbstmord am 30. April 1945 eroberte die Rote Armee Berlin, und US-amerikanische und sowjetische Truppen trafen sich in Mitteldeutschland. Daraufhin kapitulierte die Wehrmacht am 8. Mai 1945 bedingungslos.
Der Zweite Weltkrieg kostete etwa 55 bis 60 Millionen Menschenleben. In seinem Verlauf ermordeten Nationalsozialisten und ihre Helfer etwa ein Drittel aller europäischen Juden (Shoa), etwa 3,5 Millionen nichtjüdische Sowjetbürger und Polen (siehe dazu Verbrechen der Wehrmacht), mindestens 100.000, eventuell über 500.000 Sinti und Roma (Porajmos), etwa 200.000 Behinderte (u. a. „Aktion T4“), eine unbekannte Zahl deutscher „Asozialer“ und etwa 5.000 Homosexuelle (→ Rosa Winkel).
Diese Gruppen galten im rassistischen NS-Jargon als „Rassen-“ bzw. „Volksschädlinge“, „minderwertig“ und „lebensunwert“. Vor dem Krieg waren bereits etwa 20.000 als gefährlich eingestufte politische Regimegegner, meist Angehörige der Linksparteien, und etwa 1.200 Zeugen Jehovas ermordet worden.